Schädigt die historisch-kritische Bibelauslegung den christlichen Glauben?

Shownotes

Andi und Thorsten wollen in dieser Folge wissen, wie ein lebendiges Wechselspiel zwischen aufrichtigem Glauben und historisch-kritischem Bibellesen aussehen kann.

Dazu haben sie Jörg Frey, Professor für Neues Testament an der Universität Zürich, eingeladen. Er macht gleich zu Beginn deutlich: Die historisch-kritische Methode der Bibelforschung gibt es nicht. Es handelt sich um ein Ensemble an Methoden und Fragestellungen, die dem einen Ziel dienen: Unterschiedliche Texte aus einer uns fremden Zeit und Kultur zu erschliessen, bevor nach der Bedeutung der Texte für heute gefragt wird. Zu knistern beginnt es, wenn Jörg Frey von seinem persönlichen Weg erzählt, auf dem er gelernt hat, dass die historische Bibelforschung für den eigenen und gemeinsamen Glauben unentbehrlich und förderlich ist. Wie gelingt es ihm, diejenigen mit auf diesen Weg zu nehmen, die aus vielen Ländern bei ihm studieren, promovieren oder sich habilitieren?

Den Haufen an Vorurteilen gegenüber der historisch-kritischen Bibelforschung versucht das Gespräch ein wenig abzutragen: Zerfleddert die historische Forschung nicht den biblischen Jesus? Schliesst sie nicht von vornherein Gott, das Übernatürliche und die Wunder aus? Und warum sollte man historisch-kritisches Arbeiten nicht einfach als "liberale Theologie" abtun?

Danach wird es konkret: Was ist das Besondere am Johannesevangelium? Wie unterscheidet sich der Sohn Gottes dieses Evangeliums vom Messias der drei anderen, synoptischen Evangelien? An dieser Stelle ist die Podcast-Folge für alle diejenigen relevant, die glauben, dass Jesus „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ist, auch wenn er das so wohl nie gesagt hat.

Warum historisch-kritisch Bibelforschung auch heute noch wichtig ist, erörtern die drei Podcaster im Schlussteil. Sie schützt vor Missbrauch der Bibel, etwa wenn Soldaten der Krieg mit Hilfe falscher Endzeitdeutungen der Johannesapokalypse plausibel gemacht wird. Kritisches Lesen distanziert und entfremdet die Texte der Bibel von uns, damit wir sie nicht instrumentalisieren, sondern uns immer wieder neu anverwandeln.

Shownotes:

Zum Jörg Freys Verständnis des Johannesevangeliums vgl. diese beiden Vorträge:

Das Johannes-Evangelium Teil 1

Das Johannes-Evangelium Teil 2

Zu den Gefahren politisch-endzeitlicher Auslegung der Offenbarung des Johannes.

Podcast Ausgeglaubt:

Historische Kritik: Die Bibel ist nicht Gottes Wort (Teil 1)

Historische Kritik: Die Bibel ist nicht Gottes Wort (Teil 2)

Kommentare (2)

Markus

Meine Frage ist nach all dem historisch-kritischen und "das hat Jesus so nicht gesagt" und "hier ist es nicht hostorisch zu verstehen": Wie ist es denn dann mit der Grundlage des leeren Grabes und Jesu leiblicher Auferstehung. Kann man das noch glauben und für historisch nehmen? Und jetzt nicht: Er ist auferstanden ins Kerygma oder die Sache Jesu geht weiter... Ist Jesus leiblich auferstanden? Das ist die zentralste Frage und da würde mich eine Antwort sehr interessieren. Weil mit Paulus würde ich sagen: 1. Kor 15: 14 Und wenn Christus nicht auferstanden ist, dann war unser Predigen wertlos, und auch euer Vertrauen auf Gott ist vergeblich. 15 Ja, in diesem Fall hätten wir Apostel sogar Lügen über Gott verbreitet, denn wir haben ja versichert, dass Gott Christus auferweckt hat, und das kann nicht wahr sein, wenn es keine Auferstehung von den Toten gibt. 16 Denn wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferstanden.17 Wenn aber Christus nicht auferstanden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid nach wie vor in euren Sünden gefangen. LG

J. Hörperson

Ich habe folgende Anfrage an Euch bzw. Jörg Frey: Frey sagt zu einem Bibelvers: ,,Das hat der historische Jesus sicher nicht gesagt.´´ Er betont auch, dass es wichtig sei, dass Jesus das nicht gesagt habe. Für jemanden, der es gewohnt ist, die Bibel wörtlich zu lesen, ist das herausfordernd. Aber ich bin bereit, das zu akzeptieren, eure Argumente sind ja durchaus vernünftig und nachvollziehbar. Dann lasst mich aber bitte nicht im Regen stehen, sondern klärt mich auf, bringt mir bei, was historisch ist, was nicht, was dazugedichtet wurde und so weiter, ich denke, ihr wisst, was ich meine. Aber bitte in einer Sprache, die für Nicht-Theologen verständlich ist. Ich möchte nicht Theologie studieren müssen, um das zu verstehen. Bitte keine Sätze wie den folgenden: ,,Die gesamtkirchliche und individuelle Glaubenserfahrung, dass sich Gott in eigener Autorität durch das biblische Zeugnis vernehmen lässt, gibt der Bibel ihre aller wissenschaftlichen Exegese vorausliegende und sie transzendierende kirchliche Autorität. Biblische Schriftauslegung hat der Bibel in diesem ihrem Wahrheitsvorsprung zu dienen .´´ Die bibeltreue Fraktion schafft das ja auch, ich habe kein Problem, verständliche bibeltreue Literatur zu finden. Bei der anderen, bei eurer Sichtweise, ich habe gar kein Wort dafür tu ich mich wesentlich schwerer und habe bisher kaum Unterlagen gefunden (Es gibt Ausnahmen, und eine möchte ich hier ausdrücklich erwähnen: Worthaus). Ich habe jedoch einen Verdacht, warum es die ,,leicht verständliche Zusammenfassung der biblischen Aussagen aus nicht-bibeltreuer Sicht´´ nicht gibt: Man ist sich nicht einig. Es gibt viele Richtungen, Meinungen, Möglichkeiten usw. Was vor 100 Jahren angesagt war, ist heute veraltet. Es gibt nicht den einen historischen Jesus, es gibt viele. Dann muss sich aber Herr Frey den Vorwurf gefallen lassen, dass er seine Meinung absolut setzt. Wäre es nicht wissenschaftlich angemessener zu sagen: ,,Laut meiner Erkenntnis hat der historische Jesus das nicht gesagt´´. Zusammengefasst: Wenn es eine einheitliche wissenschaftliche Meinung über die Bibel gibt, wieso wird die nicht mit missionarischem Eifer unters Volk gebracht? Wenn es sie nicht gibt, seid bitte zurückhaltender mit euren Aussagen, liebe Theologen. Denn wenn ihr eure Thesen mit einem Absolutheitsanspruch vertretet, kann ich genausogut den Fundamentalisten glauben, die haben wenigstens den Wortlaut der Bibel hinter sich.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.